Frisches Gemüse, an 7 Tagen in der Woche und auch noch in Bioqualität zu günstigen Preisen – wo kann man das noch finden?
Auf den Feldern zum Selbst ernten in Rosenheim, Bruckmühl, Pullach und natürlich Bad Aibling. Zur Zeit gibt es insgesamt 5 Gemüseäcker in Rosenheim und Landkreis, die alle vom Biobauer Michael Niggl bewirtschaftet werden. Herr Niggl erzählte mir, dass er bereits im Alter von 15 Jahren großes Interesse an Landwirtschaft und Ackerbau hatte, und so war es naheliegend, dass er nach Vollendung der Schule eine Ausbildung zum Gärtner und anschließend den Meister in Gemüsebau machte. Gemüseanbau wurde seine Leidenschaft und das spürt man wenn man mit ihm spricht. Viel Leidenschaft braucht man auch um diese arbeitsintensive Tätigkeit zu bewerkstelligen.
Bereits im Februar geht es los. Saatgut wird aus dem Biohandel bezogen. Die Anzucht erfolgt von Michael Niggl in Pullach, bevor es warm genug ist und die Setzlinge an ihren endgültigen Ort umgepflanzt werden können.
Im Laufe eines Jahres werden zuerst verschiedene Salatsorten, Kohlrabi, Fenchel, Bohnen, Zucchini, Basilikum, Petersilie, Möhren, Sellerie, Kartoffeln, Mangold bis hin zum Grünkohl, Rosenkohl, Blaukraut und Feldsalat angebaut.

Ca. 20 verschiedene Kulturen baut der Meister an, nicht immer die selben, denn je nach Witterungsverhältnissen gedeihen die Sorten unterschiedlich gut. Da ist schon Fingerspitzengefühl, langjährige Erfahrung und ein gutes Wetterempfinden nötig. Unterschiedliche Kulturen halten das Risiko im Rahmen – ist es für die eine Sorte zu kühl, wächst dafür eine eine kälteliebende Sorte um so besser.
Biogemüseanbau ist sehr pflegeintensiv. Michael Niggl bewirtschaftet seine Felder überwiegend alleine, nur während der Pflanzung und der Kartoffelernte hat er 2 bis 3 Helfer. Spritzmittel werden keine verwendet und es dauert einige Jahre bis man möglichst robuste Sorten, die mit dem Aiblinger Boden und der Witterung zurecht kommen, gefunden hat.
Gedüngt werden die Felder mit Gründüngung oder organischem Dünger.
Die Jungpflanzen müssen, je nach Trockenheit, angegossen werden, damit sie gut anwachsen. Das geschieht mit einem Tankwagen. Danach ist keine Bewässerung mehr nötig, denn mit Trockenheit kommen Gemüsepflanzen eher zurecht als mit Nässe. Ist die Witterung zu feucht, machen sich auch gerne mal die Nacktschnecken an den Feldrändern breit und da es Biogemüse ist, wird kein Schneckengift ausgestreut, sondern mit den Händen abgesammelt!!! Im Innern der Anpflanzungen gibt es eher weniger Probleme mit den unliebsamen Tierchen. Da Gemüsebeete regelmäßig umgepflügt und zeitweise unbewachsen sind, haben die Nacktschnecken nicht so viele Rückzugsmöglichkeiten wie in einem Hausgarten.
Ein größeres Problem stellten 2025 die Rehe dar, denn auch sie fanden den Radicchio so köstlich, dass für Kunden weniger zur Verfügung stand und damit auch finanziell Einbußen entstanden.
Im Großen und Ganzen sind die Kunden ehrlich, natürlich gibt es immer „Ausreißer“, aber manche Leute sind so begeistert, dass sie auch mal mehr bezahlen. Hauptsache es hält sich einigermßen die Waage, damit wir uns weiterhin an den Gemüsefeldern zum selbst ernten erfreuen können.
In den letzten Jahren kommen auch vermehrt junge Familien mit ihren Kindern zum Ernten und Herr Niggl freut sich ebenfalls, wenn er die Zufriedenheit der Kunden sieht. Zur Abwechslung versucht er sich immer mal mit neuen Gemüsesorten oder einem „Sun Flower Walk“ in Pullach, durch seine Sonnenblumen. So dürfen auch die Kunden schon neugierig sein, was sie im nächsten Sommer erwartet.
Was am Ende des Herbstes nicht verkauft werden konnte, wird nicht entsorgt. In letzten Jahr bekam ein Hühnerbauer die letzten Kürbisse und so hatten auch noch die Hühner ihre Freude am Gemüse zum selber ernten.
Autorin: Iris Heinemann
