1955 zog wieder ein Faschingszug durch Aibling – und auch 2026wird gefeiert. Was sich verändert hat – und was bleibt. Es roch nach Diesel, Sägespänen und frisch gestärkten Kostümen. Aus einem knarzenden Lautsprecher schepperte ein Walzer. Ein alter LKW tuckerte durch die Kirchzeile – vorne drauf ein wackeliger Nachbau unseres Stadtwappen. Bad Aibling, Fasching 1955. Der erste richtige Zug seit dem Krieg. Kein Glanz, keine Choreografie – aber ein Gefühl von „Jetzt geht’s wieder los.“
Mitten im Trubel: Magnus Müller, 21, Fußballer, Faschingsprinz. Wer damals im Verein aktiv war, rutschte schnell in so eine Rolle – nicht wegen Showtalent, sondern weil man Teil der Gemeinschaft war. Tanzen? Vielleicht eher mit dem Ball. Aber Stimmung machen, das konnte er.
Die Kostüme waren selbst genäht, die Wägen zusammengezimmert – und der Alkohol floss, wenn überhaupt, erst nach dem Umzug. Trotzdem – oder gerade deswegen – war der Spaß echt. Das zeigen die Gesichter auf den alten Fotos: junge Menschen, die das Leben feiern, weil sie wussten, wie schnell es anders kommen kann.
Heute, 70 Jahre später, säumen wieder Hunderte die Rosenheimer Straße. Schulter an Schulter stehen sie da – Cowboys, Prinzessinnen Hexen oder einfach verrückte Perücken und Hüte. Die Wägen tuckern vorbei, laut, bunt, ideenreich. Mal politisch spitz, mal einfach witzig und frech – aber immer mit Liebe zum Detail gestaltet. Oben wird getanzt, gegrölt, gelacht (und meistens auch getrunken). Bonbons fliegen in hohem Bogen, der eine oder andere „Feigling“ macht die Runde vom Wagen in die Menge. Es ist laut, es ist fröhlich – es ist Fasching, wie er leibt und lebt. Und vielleicht liegt genau darin sein Zauber: dass zwischen all dem Spektakel noch immer etwas mitschwingt von damals – vom Mut zur Ausgelassenheit, vom Gemeinschaftsgefühl und von der Freude, für einen Tag einfach jemand ganz anderes sein zu dürfen.



Autorin: Martina Thalmayr
