Kanada? Könnt auch Kirchzeile sein!
Die Welt ist ein Dorf, sagt man. Heute mehr denn je. Dank WhatsApp, Billigfliegern und Instagram ist es ja schon fast eine Enttäuschung, wenn man beim Wochenendtrip nach Venedig nicht zufällig die Nachbarin beim Maskenshopping trifft. Oder wenn einem am Gardasee ausnahmsweise mal kein Aiblinger „Servus“ zuruft, sondern ein echter Italiener „Buongiorno!“
Aber auch in den 80ern war die Welt offenbar kleiner, als man dachte – ganz ohne WLAN und Google Maps.
Damals – wir schreiben das Zeitalter der Dauerwelle und Jogginganzüge in Pastell – waren meine Eltern, Christl und Magnus Müller, im Rahmen eines Lehreraustauschprogramms in den USA unterwegs. Das war noch richtig aufregend! Flugzeug! Zollkontrolle! Und drüben alles groß: Die Burger, die Autos, die Wasserfälle.
Besagte Wasserfälle waren dann auch das Ziel – die Niagarafälle, um genau zu sein. Spektakulär, tosend, filmreif. Und mitten im Gischtnebel, vor dieser gigantischen Naturkulisse, taucht er plötzlich auf – der Engelmaier Wiggerl. Aus Mietraching. Also keine optische Fata Morgana. Nein, der echte Wiggerl, vermutlich im karierten Hemd, mit Fotoapparat um den Hals und einem kräftigen „Wos machst jetzad du do?!“ auf den Lippen.
Da steht man also 6.500 Kilometer von zu Hause entfernt – und trifft den Nachbarn. Kein Witz, das war dem Mangfallboten damals sogar einen eigenen Artikel wert! Heute bräuchte man dafür mindestens ein Selfie, drei Instagram-Stories und den Hashtag #Niagaraching.
Ob sich der Wiggerl an die Begegnung noch erinnert? Vielleicht erzählt er sie heute noch am Stammtisch: „Damals, an den Niagarafällen – da war i ned alloa!“
Und irgendwie beruhigend, dass sich Aiblinger überall auf der Welt finden lassen. Vielleicht liegt’s am Fernweh. Vielleicht aber auch einfach daran, dass wir überall ein bisserl daheim sind – selbst in Kanada.
Martina Thalmayr
