Kitbitzbetreuerin Stefanie Niggl berichtet

Im Willinger Weitmoos
Seit 20 Jahren lebe ich in unmittelbarer Nähe des Willinger Weitmoos und beobachte schon immer gerne die Natur dort.
Das Willinger Weitmoos ist ein nicht zersiedeltes Landschaftsgebiet, kleinstrukturiert, mit Äckern, Wiesen, Bächen, Gräben, Hecken, Bäumen, Gemüsefeldern, mit Kuh-und Pferdeweiden, Fischteichen, einem Auwaldbiotop und dem letzten Streuwiesenbiotop von Bad Aibling.
Neben anderen seltenen Vogelarten, die im Willinger Weitmoos rasten oder nach Nahrung suchen, gibt es dort noch eine kleine Kiebitz – Brutkolonie. Früher ein Allerweltsvogel, steht der Kiebitz heute auf der Roten Liste und ist im Alpenvorland vom Aussterben bedroht. Weil immer mehr Feuchtwiesen verbuschten oder trockengelegt wurden, verlor der Kiebitz seinen ursprünglichen Lebensraum. Er wich auf die Maisacker aus, um dort auf dem offenen Boden zu brüten. Bei der Bewirtschaftung der Äcker können die Gelege jedoch zerstört werden.

Als ich begann meine Kiebitzbeobachtungen an die Untere Naturschutzbehörd zu melden, bekam ich Kontakt zu Margit Böhm, der Leiterin des BayernNetz-Natur-Projektes „Netzwerke für den Kiebitz“ am Landratsamt Rosenheim. Etwa fünfundzwanzig ehrenamtliche Wiesenbsrüterberater/-innen kümmerten sich bereits um die Rosenheimer Kiebitze. Als erstes Gebiet im südwestlichen Landkreis kam nun das Willinger Weitmoos dazu. Ich übernahm die Aufgaben als ehrenamtlich bestellte Kiebitzbetreuerin.
Wenn die Kiebitze Ende Februar aus ihren Winterquartieren zu uns zurckkehren, zeigen sie mit ihren eindrucksvollen Balzflügen und ihren markanten Rufen den Beginn der Brutzeit an. Man braucht dann viel Geduld, Ausdauer, Erfahrung und ein gutes Fernglas, um bei Brutverdacht das Nest auf dem Acker zu finden. Wenn es der Landwirt erlaubt, wird das Nest markiert und zum Schutz vor nächtlicher Plünderung durch Fuchs oder Dachs während des Brütens mit einem Elektrozaun gesichert. Nach dem Schlüpfen werden die Kiebitzfamilien weiter beobachtet und geschützt, durch das Zählen der Jungvögel wird der Bruterfolg dokumentiert.
Der Kiebitzschutz geht nur gemeinsam mit den Bewirtschaftern der Flächen. Fährt der Landwirt eine Maßnahme zum Schutz der Kiebitze auf seinem Acker durch, bekommt er dafür einen finanziellen Ausgleich. Zwei Landwirtsfamilien erhielten heuer im Rahmen eines Festaktes zum Wettbewerb „Kiebitz und Korn“ des bayerischen Landesbundes für Vogel- und Naturschutz die besondere Auszeichnung „Kiebitzfreundlicher Betrieb“ für ihr Engagement im Willinger Weitmoos.
Ausser im Kiebitzschutz bin ich im Willinger Weitmoos noch in zwei weiteren Bereichen aktiv: Ich melde regelmäßig meine Sichtungen (Vögel und Säugetiere) an die Untere Naturschutzbehörde für deren Archiv. Ich helfe alljährlich mit bei der Bekämpfung von Neophyten im Bereich der Streuwiesen am Fernpeiler.

Autorin: Stefanie Niggl