Donut-Ökonomie: Kann ein Gebäck die Welt retten und was hat das mit Bad Aibling zu tun?

Die Donut-Ökonomie ist ein einfaches Bild dafür, wie wir in Zukunft gut leben können, ohne unseren Planeten zu überfordern. Man stellt sich dabei einen Donut vor: In der Mitte ist ein Loch, wer die Grenze zum Loch überschreitet dem Fehlen die wesentlichen Dinge die man zum Leben braucht wie z.B. bezahlbares Wohnen, Bildung, Gesundheit, soziale Sicherheit. Wenn jemand in das Loch fällt, fehlt es dem Einzelnen an grundlegenden Chancen. Am äußeren Rand des Donuts dagegen wird es problematisch für die Natur. Dort stoßen wir zu viel CO₂ aus, verbrauchen zu viele Ressourcen oder zerstören Lebensräume. Der „gute Bereich“ liegt dazwischen: Menschen geht es gut, und die Umwelt bleibt im Gleichgewicht.

Die Idee klingt fast zu einfach, aber genau dieses Bild hat die britische Ökonomin Kate Raworth geprägt – und damit weltweit Diskussionen ausgelöst.

Für Bad Aibling kann dieses Bild eine hilfreiche Orientierung sein. Unsere Stadt ist attraktiv und lebenswert, aber wir stehen wie viele Kommunen vor ähnlichen Fragen: Wie schaffen wir genug Wohnraum, ohne zu viel Fläche zu verbrauchen? Wie können Energie und Mobilität klimafreundlicher werden? Und wie bleibt die Innenstadt – vom Kurpark über den Marienplatz, vom Bahnhof bis zu den Wohngebieten – ein Ort, an dem man sich gerne aufhält? Die Donut-Idee lädt dazu ein, solche Themen nicht einzeln zu betrachten, sondern als Teil eines größeren Ganzen.

Bad Aibling geht dabei schon in die richtige Richtung. 

Als Fair-Trade-Stadt setzt die Kommune ein Zeichen für soziale Verantwortung. Viele Projekte – ob im Bereich Radverkehr, Stadtgrün oder Jugendarbeit – passen ebenfalls gut zur Donut-Logik: Lebensqualität erhöhen, Umwelt schützen, Menschen einbeziehen. Wenn man dieses Bild weiterdenkt, könnten zukünftige Maßnahmen wie energieeffiziente Neubaugebiete, kühlere und grünere Plätze für heiße Sommer oder lokale Energiekonzepte noch stärker miteinander verknüpft werden.

Was sagen die Kritiker?

Kritiker sagen zwar, dass man nicht alles so einfach messen kann, wie der Donut es darstellt. Und sie haben recht: Soziale Gerechtigkeit oder Artenvielfalt lassen sich nicht so exakt vergleichen wie Zahlen im Haushalt. Aber genau deshalb ist dieses Modell so nützlich – es zwingt uns, die wirklich wichtigen Fragen zu stellen. Nicht: „Wie steigern wir das Wachstum?“, sondern: „Wie steigern wir die Lebensqualität – für alle und dauerhaft?“

Wie sähe unser Bad Aibling 2045 aus?

Wenn man sich Bad Aibling im Jahr 2045 vorstellt, könnte die Stadt nach dieser Logik noch grüner, ruhiger, nachhaltiger und sozialer sein: Häuser, die wenig Energie brauchen, attraktive Wege für Rad und Fuß, ein Kurpark, der nicht nur Erholung bietet, sondern auch die Stadt kühlt, und eine lokale Wirtschaft, die fair produziert und langlebige Produkte anbietet. Man könnte sagen: Weniger „höher, schneller, weiter“ – mehr „besser fürs Leben“.

Die Donat Ökonomie, kein Allheilmittel aber ein Weg in die Zukunft für ein lebenswertetes Bad Aibling

Die Donut-Ökonomie liefert also keinen fertigen Bauplan, aber ein sehr verständliches Bild. Sie zeigt uns, wie eine Stadt wie Bad Aibling Zukunft, Umwelt und gesellschaftliches Miteinander gleichzeitig im Blick behalten kann. Und sie erinnert uns daran, dass Wohlstand nicht nur aus Konsum besteht, sondern aus Lebensqualität, Natur, Gemeinschaft und Sicherheit. Wenn wir diese Perspektive einnehmen, ist der Donut mehr als ein Gebäck – er ist ein Wegweiser für eine lebenswerte Zukunft.

Weiterführende Informationen

LINK: Kate Raworth TED Vortrag (englisch mit deutschem Untertitel):

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Weitere Informationen

PD- Berater der öffentlichen Hand GmbH Donat : Wie kommunale Strateginnen und Strategen die Methoden der Donut-Ökonomie für die wirkungsorientierte Transformation nutzen können

Kate Raworth (geb. 1970) ist eine britische Wirtschaftswissenschaftlerin, die durch ihr Modell der Donut-Ökonomie international bekannt wurde. Sie studierte in Oxford, arbeitete mehrere Jahre für die UNO und die Hilfsorganisation Oxfam und erlebte dort direkt die Folgen von Armut und Ungleichheit. 2012 stellte sie ihr Donut-Modell vor, das soziale Mindeststandards und ökologische Grenzen in einem Bild vereint. Heute lehrt sie an der Universität Oxford und am Amsterdamer Institut für Nachhaltigkeit und gilt als eine der wichtigsten Stimmen für eine neue, nachhaltige Wirtschaft.

Autor: Jan Woköck