Warum alte Häuser sanieren?

Ein Plädoyer für den Erhalt von unseren Altbauten

In Deutschland gibt es etwa 50 Millionen Gebäude – vom windschiefen Schuppen über Einfamilienhäuser bis hin zu Kirchen. Davon haben rund 22 Millionen eine eigene Adresse. 13,2 Millionen sind Einfamilienhäuser, von denen der grösste Teil unsanierte Altbauten sind. Alle Gebäude zusammen verbrauchen rund 35% der Energie in Deutschland. Das heisst, wenn wir an der Stellschraube -Gebäudeì drehen, bewegt sich richtig viel.

Sanierung oder Neubau?

Bei über 10 Millionen Wohn- und Einfamilienhäusern, die zur Sanierung anstehen, stellt sich natürlich die Frage, lohnt sich die Sanierung eines alten Hauses oder soll man es gleich wegschieben? Bei dieser grossen Anzahl von Gebäuden sollte eigentlich jedem klar sein, dass wir nicht alle alten Häuser plattmachen und neu bauen können. Die ganz klare Antwort deshalb: in den meisten Fällen ist die Sanierung nicht nur finanziell günstiger sondern auch ökologisch sinnvoll. Warum? Ganz einfach: Der Rohbau – also die tragenden Wände, Decken und Fundamente – ist in der Regel noch völlig intakt. Und der macht bei einem Neubau rund ein Drittel der Baukosten aus.Auflerdem sind die Abriss- und Entsorgungskosten in den letzten Jahren kräftig gestiegen. Noch dazu: Die Produktion von Zement und Beton ist für etwa 8% des weltweiten CO?-Ausstofles verantwortlich. Bei einer Sanierung wird also jede Menge -graue Energieì gespart.

Der Charme des Bestands

Altbauten haben etwas, das Neubauten oft erst mühsam entwickeln müssen: Charakter und Charme.Sie stehen in gewachsenen Vierteln, in guter Nachbarschaft, mit hoch gewachsenen Bäumen und Büschen und bewährten Wegen. Meist sind sie an Standorten, die man heute gar nicht mehr so leicht genehmigt bekäme – Stichwort Ortsrandlage, Aussicht, Stadtmitte.Und: Wasser, Strom und Abwasser sind schon da. Keine neuen Leitungen quer übers Grundstück. Das klingt unspektakulär – spart aber richtig Geld.

Clever sanieren statt alles neu kaufen

Sanieren heiflt auch nicht automatisch innen alles entkernen und raus reissen sondern man kann mit Köpfchen entscheiden:Muss der Boden wirklich raus und neu verlegt werden oder reicht bei Parkett nicht einfach Abschleifen und neu ÷len?Können Türen und Treppen bleiben und aufgearbeitet werden? Manchmal bewirkt schon ein neuer Anstrich und neue Türklinken Wunder.Ist der Dachstuhl noch fit, meistens genügt es wenn er statisch ertüchtigt und neu gedämmt wird. Alles, was bleibt, muss nicht neu gekauft und bezahlt werden. Klingt banal, ist aber oft der gröflte Sparhebel.

Bei den Leitungen hört der Spass auf

Wasser-, Heizungs-, Elektro- und Abwasserleitungen sollte man bei alten Häusern grundsätzlich erneuern. Punkt.Alles andere ist ein -Ach, des geht scho noì-Spiel – und das verliert man meistens relativ schnell und dann wirdís erst richtig teuer.

Die heimlichen Genies: Häuser der 50er und 60er

Viele Altbauten aus dieser Zeit, wo es noch nicht viel gab, sind wahre Planungswunder, aus der Not mit viel Hirnschmalz und cleveren Ideen geboren.Logische, sehr einfache, gut durchdachte und flexible Grundrisse, keine unnötigen Verschachtelungen und Wasseranschlüsse nur dort, wo sie Sinn ergeben – Küche, Bad, WC alles nebeneinander oder übereinander, das spart Leitungen, Zeit und Kosten. Heute lernen wir das mühsam wieder neu.

Weniger Haus = weniger Kosten = weniger Stress

Ein kleiner Denkanstofl:Kinder werden gröfler. Und schneller als man denkt, ziehen sie aus.Wer etwas bescheidener plant, spart Baukosten, Nerven, Energie und Material – und lebt später nicht im halbleeren Wohnpalast, den man eigentlich nicht mehr braucht.

Fazit: Alte Häuser haben Zukunft – wenn man sie lässt

Altbauten sind mehr als Erinnerungsstücke und Denkmäler. Sie sind nicht nur Klimaschützer, Energiesparer, Nutzgegenstände und Planungstalente sondern auch ein Teil unserer Geschichte und Identität – und oft einfach zu schön, um sie einfach wegzubaggern, Sanieren heiflt also nicht nur erhalten, sondern weiterbauen am Lebensweg eines Hauses.Und ja: Es fühlt sich jedes Mal gut an, wenn ein altes Gebäude wieder zu strahlen beginnt.

Norman Richter