Autor: Jan Woköck
Viele Menschen wundern sich über ihre Stromrechnung. Jeden Monat wird ordentlich abgebucht, obwohl man überall hört, dass Strom aus Sonne und Wind heute so günstig ist wie nie zuvor.
Das stimmt auch: Große Solaranlagen erzeugen Strom für nur wenige Cent pro Kilowattstunde, Windräder an Land liegen in einem ähnlichen Bereich. Trotzdem zahlen Haushalte oft 30 oder sogar über 40 Cent pro Kilowattstunde. Der eigentliche Strom ist also billig, teuer wird er erst auf dem Weg zur Steckdose.
Wie der Preis an der Strombörse entsteht
An der Strombörse gilt das sogenannte Merit-Order-Prinzip. Vereinfacht gesagt bestimmt das jeweils teuerste Kraftwerk, das gerade gebraucht wird, den Preis für alle. Wenn also zusätzlich ein Gaskraftwerk einspringen muss, weil Wind und Sonne nicht ausreichen, steigt der Preis für den gesamten Strom – auch für den günstigen Ökostrom. Dieser Börsenpreis ist aber nur ein Teil dessen, was am Ende auf der Rechnung steht.
Was noch alles auf den Strompreis aufgeschlagen wird
Ein Punkt, den viele kaum kennen, heißt Redispatch. Dahinter steckt ein technisches, aber sehr teures Problem: Im Norden Deutschlands wird besonders viel Windstrom erzeugt. Reichen die Leitungen in den Süden nicht aus, entsteht ein Engpass im Netz. Dann müssen Windräder im Norden abgeschaltet werden, obwohl sie eigentlich günstigen Strom liefern könnten. Gleichzeitig werden im Süden teure Kraftwerke hochgefahren, meist Gaskraftwerke, die dann wiederum den Preis an der Strombörse für ganz Deutschland in die Höhe treibt.
Die Betreiber der abgeschalteten Anlagen bekommen trotzdem Geld, und auch die teuren Ersatzkraftwerke müssen bezahlt werden. Diese doppelten Kosten landen in den Netzentgelten – und damit bei allen Stromkunden. Redispatch würde deutlich billiger ausfallen, wenn die Stromleitungen leistungsfähig genug wären, um den Strom ohne Engpässe von Norden nach Süden zu transportieren.
Noch besser wäre es, wenn der Süden selbst mehr erneuerbare Energie erzeugen könnte, die nicht nur von der Sonne abhängt. Also mehr Windkraft, mehr Wasserkraft und vor allem mehr Stromspeicher. Dann müsste weniger Strom über weite Strecken transportiert werden, und auch die Zahl der teuren Eingriffe ins Netz würde sinken.
Ein weiterer großer Kostenblock ist das Stromnetz selbst. Leitungen, Umspannwerke und Transformatoren müssen gebaut, gewartet und modernisiert werden. Diese Netzentgelte machen etwa ein Viertel bis ein Drittel des gesamten Strompreises aus. Dazu kommen Steuern, Abgaben und Umlagen sowie die Kosten der Energieversorger für Einkauf, Vertrieb, Kundenservice und die Absicherung gegen Preisschwankungen.
All diese Posten zusammen sorgen dafür, dass aus sehr günstig erzeugtem Strom am Ende ein hoher Preis für die Verbraucher wird.
Viele Menschen wundern sich auch über die regionalen Unterschiede. Gerade im Norden, wo besonders viel günstiger Windstrom produziert wird, war Strom lange Zeit teurer als in vielen Regionen im Süden. Der Grund dafür liegt nicht an der Entfernung des Stromtransports, sondern an den Netzkosten. In windreichen Gegenden mussten besonders viele neue Leitungen gebaut werden. Diese Investitionen wurden über höhere Netzentgelte auf die Menschen vor Ort umgelegt. Netzentgelte hängen also nicht davon ab, wie weit der Strom fließt, sondern davon, wie teuer das jeweilige Netz ist. Inzwischen werden diese Kosten stärker bundesweit verteilt, doch Unterschiede gibt es weiterhin.

Wie wird der Strom für uns billiger?
Wenn Strom dauerhaft bezahlbar bleiben soll, braucht es vor allem mehr erneuerbare Energien, denn sie liefern den günstigsten Strom. Gleichzeitig müssen Netzentgelte, Abgaben, Redispatch-Kosten und das heutige Marktsystem weiter reformiert werden. Ein wichtiger Hebel wäre auch die Mehrwertsteuer auf Strom. Derzeit gilt für Strom der volle Steuersatz. Ein reduzierter Mehrwertsteuersatz, wie er für viele Güter des Grundbedarfs gilt oder ab dem kommenden Jahr auch wieder für die Gastronomie, würde sowohl die Bürgerinnen und Bürger als auch die Wirtschaft direkt entlasten. Erst wenn all diese Stellschrauben bewegt werden, kommt der günstige Strom aus Sonne und Wind wirklich spürbar auf der Stromrechnung an.

Autor: Jan Woköck
