Ein innovatives Gesamtkonzept
In der Nähe von Weihenlinden ist ein besonderer Ort entstanden mit einer Biogasanlage, Gewächshäusern und einem Café. Hier werden tropische Pflanzen gezüchtet und deren Früchte vermarktet.
Feuchtwarme Luft und der intensive Duft nach tropischem Regenwald umfängt die Besucher im Gewächshaus. Bananen, Bergpapaya, Kaktus, Chili, Kurkuma und Ingwer – hier wachsen tropische Pflanzen, die ursprünglich in den Regenwäldern rund um den Äquator beheimatet sind.
Zwischen den Bananenstauden flitzen Zwergwachteln im Gewächshaus herum, die ihre Eier in den Hackschnitzeln am Boden gut verstecken. Hier dürfen sie in aller Ruhe brüten. Aber vor allem geht es um die Pflanzen, erzählt Sebastian Pritzl im Interview. Der Landwirtschaftsmeister und seine Familie betreiben die Biogasanlage, die Landwirtschaft und das Tropenhaus mit Café.
Abwärme mal anders genutzt
Bereits seit Generationen führt die Familie Pritzl eine Landwirtschaft. Früher hatte sie Milchvieh, dann hat sie umgestellt auf Biogas zur Stromgewinnung. Rund 500 Haushalte können mit dem Strom aus der Anlage versorgt werden. Bei jeder Biogasanlage fällt Abwärme an. Die kann man z.B. für die Wärmeversorgung von Wohnhäusern oder die Trocknung von Hackschnitzeln nutzen. Oder eben, um Gewächshäuser zu heizen.
„Wir sind generell offen für Neues“, meint Sebastian Pritzl. So entstand schon bei der Planung der Biogasanlage der Plan für ein Gewächshaus, in dem tropische Früchte angebaut werden, ungespritzt, regional, ohne Flugwege. Zum Düngen wird ausschließlich der hochwertige und organisch gebundene Dünger der Biogasanlage verwendet, der so genannte „Gärrest“. Eine durch und durch ökologische Lösung.
Anfangs hatte der Landwirt querbeet Samen und Pflanzen unterschiedlichster Arten und Sorten zusammengekauft – alles, was schmeckt. Und drei Jahre lang ausprobiert: Welche Pflanzen wachsen gut, welche sind schädlingsresistent, welche entwickeln überhaupt Früchte, und schmecken die dann auch? Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeit, Temperatur und Durchlüftung im Tropenhaus müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sich die Pflanzen auch wohlfühlen.
Tops und Flops im Tropenhaus
Mango, Avocado und Zitronen erwiesen sich als Flops. Letztere, weil das Gewächshaus mit seinen durchschnittlich 24 Grad Celsius für Zitrusfrüchte zu warm ist. Tropische Gewächse wie z. B. Papaya, Ingwer und Bananen hingegen entwickelten sich vielversprechend.
Sebastian Pritzl und seine Familie haben viel Zeit damit verbracht, Sorten zu züchten, zu veredeln, zu kreuzen und wieder zu verwerfen. Inzwischen vermehrt er seine eigenen Sorten. Von Restaurants mit gehobener Küche in der Gegend hat er sich immer wieder Feedback geholt zum Geschmack der Früchte. Eine der wichtigen Voraussetzungen für deren besonderes Aroma ist aber schlicht, dass die Früchte voll ausgereift geerntet und zeitnah vermarktet werden. Der Geschmack ist einfach anders, wenn man eine Flugpapaya aus dem Supermarkt mit einer reifen Frucht aus Weihenlinden vergleicht, ganz abgesehen von der Ökobilanz.
Anfangs hat die Familie die Früchte noch bis München geliefert, inzwischen geht das meiste im Direktverkauf über die Theke. Und die Anlage wurde noch um zwei Gewächshäuser erweitert, um flexibler zu ein.




Papayaspritz unter Palmen
Im April 2025 eröffnete das Tropencafé. Hier sitzen die Gäste bequem unter Palmen und Bananenstauden oder draußen auf der Sonnenterasse mit weitem Blick über die Felder in die Berge. Die ganze Familie Pritzl und Mitarbeiter stehen hinter der Theke, um Köstlichkeiten wie Papayaspritz und Pinsa, Kaffee und Kuchen zu servieren. Das Café ist nur drei Nachmittage in der Woche geöffnet, weil man den Pflanzen dann wieder Zeit geben muss, um sich zu regenerieren. Denn für die Besucher wird die Luftfeuchtigkeit von normalerweise 100 % deutlich herunterreguliert. So feucht-heiß und tropisch wollen es die meisten Gäste dann doch wieder nicht, auch wenn es schon ein ganz besonderes Erlebnis ist, in Bayern an einem klirrend kalten Wintertag unter Bananenstauden einen Drink zu sich zu nehmen.
Am frühen Abend, wenn es draußen dunkel wird, verwandelt sich das Café in einen besonders magischen Ort, weil die großen Blätter der tropischen Pflanzen bunt angestrahlt werden.
Bitte nicht selbst ernten!
So verlockend die knallroten Chilischoten auch in dem satten Grün leuchten, sollte man doch besser davon absehen, sie selbst zu ernten. Die Chili sind nämlich extrem scharf!
Mit dem Tropencafé hat sich die Familie Pritzl einen Traum erfüllt. Und die Gegend wurde um ein ökologisches Gesamtkonzept bereichert.

Autorin Susanne Poelchau
